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[Bericht] Erste Eindrücke

Ein knappes Jahr, nachdem die Idee für den Trip zum ersten Mal durch den Kopf schoss, bin ich endlich hier. Mother India, so ungezähmt und chaotisch, so liebvoll und farbenfroh. Um es gleich vorweg zu nehmen – alles, was hier niedergeschrieben oder in Form von Fotos und Soundschnipseln gepostet wird, lässt nun einmal nicht wirklich erahnen, wie es denn tatsächlich ist. Zu sehr braucht dieser Subkontinent alle Sinne, um wirklich erfahren werden zu können. Allein schon wegen der Gerüche, die dich umgeben. Alle paar Schritte neu und aufregend. Und nun, natürlich auch nicht immer angenehm. Ebenso wie das, was man zu sehen bekommt. Indien hat von allem wahnsinnig viel zu bieten, wenn nicht gar das meiste davon im Überfluss… und du selbst entscheidest, was du in deinen persönlichen Fokus nimmst. Wie bei allem, was du denkst und tust, zu jeder Sekunde. Nur hier eben intensiver. Und so gibt es hier die unwahrscheinlich aufregende Möglichkeit, ein Land wie kein anderes und damit schließlich sich selbst zu entdecken.

„Indien ist ein gigantischer Spiegel. Jeder darf hineinblicken und sich anschauen. Wer das Land im selben Zustand verlässt, wie er es betreten hat, kam schon als Leiche. Denn die Radikalität des Subkontinents ist sein Trumpf. Ein Reisender, der sich traut, läuft Gefahr, als ein anderer wieder abzureisen. So einer wäre ich gern.“

Andreas Altmann, Buch: Triffst du Buddha, töte ihn!

Nach ca. 24 Stunden Reisezeit mit 2 Stopps in Istanbul und Dubai endlich im Landeanflug auf Mumbai (oder auch Bombay) zu sein, sorgte schon für heftige Emotionen. So lange darauf gewartet, so wahnsinnig viel mit anderen darüber gesprochen. Wie wird es wohl sein? Wie wird es dir ergehen? Wie schon gesagt, alle vorausgehenden Malereien im Kopf werden noch einmal kräftig verrührt und zu etwas Neuem, (Sur-)Realem, wenn man tatsächlich ankommt.
Der erste Dämpfer. Prepaid-Taxi zu teuer, also weg vom Flughafengelände und schon mal üben, wie man über die stark befahrenen Strassen Mumbais gelangt. Darauf folgt das Abklopfen mit den unzähligen Taxi- und Auto-Rikscha-Fahrern, ob sie denn bis zum Stadtteil Chembur fahren und wie viele Rupien man dafür aus der Hosentasche ziehen muss. Glücklicherweise fand ich im vierten Anlauf Hari, einen kleinen, freundlichen Landsmann mit grauem Haar und Bart. Und für 250 indische Taler ging es los in Richtung Abenteuer. Oh ja, und was für eins!
Der erste Kulturschock saß ordentlich. Als sich Hari erkundigte, wo genau wir denn hinfahren, und meine Erklärungsversuche nicht wirklich brauchbar erschienen, bat er mich direkt um die Handynummer meines Couchsurfing-Host, bei dem ich in den ersten Tagen übernachten sollte. Gesagt, getan. Klingt doch soweit gut, oder? Nur spielte sich das alles in einem chaotischen Trubel aus Verständigungsproblemen, Hupen, Rasen, Bremsen und Durchschütteln ab. Fünf Minuten im Großstadtverkehr dieser Metropole, und du hast einen Vorgeschmack wie mit dem Hammer zum Kopf, auf was du dich eingelassen hast. Ich war fertig. Und fasziniert. Ließ die Fahrt über mich ergehen, versuchte zu genießen. Vorbei an maroden Gebäuden und Verschlägen, sowie geschäftigem Menschengewimmel. Und alles in ohrenbetäubender Lautstärke.
Plötzlich stoppte Hari, fuhr an die Seite und fragte, ob es denn wirklich mein erstes Mal in Indien sei. Ich bejahte, und er ließ mich einfach allein auf der Rückbank mit meinem Gepäck sitzen. Mulmiges Gefühl? Na aber klar! Ich konzentrierte mich auf das Treiben um mich herum, bis der alte Mann schließlich mit einem Plastikbeutel leichtfüßig zurück getapst kam. Mit einem überschwänglichen „Welcome to India!“ überreichte er mir einen dieser hier typischen Blumenkränze. Gerührt und behangen saß ich da, so setzten wir die Fahrt fort. Dicht an dicht die Vehikel in unzähligen Spuren auf der Straße. Der Taxifahrer links von uns heißt mich ebenfalls willkommen. Gebranntmarkt durch Hautfarbe und Blütenkette, jetzt lässt sich nichts mehr verheimlichen!

Hari und ein Schatten meiner selbst

Völlig aufgelöst kam ich am Zielort an, wo bereits ein weiterer Couchsurfer auf mich wartete. Und auch wenn ich anfangs von der Fahrt nach Chembur derart überrannt war, daß ich am liebsten kein Wort gesprochen hätte, sollte Bharath aus Chennai ein außerordentlich guter Wegbegleiter für meine ersten Tage in Mumbai werden.

In Kategorie: Allgemein

Über den Autor

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Ich bin Reisender, Musikliebhaber und DJ, fotografiebegeistert, mag das Lesen und das Schreiben. Gebürtig aus Leipzig und daheim in der Welt.

17 Kommentare

  1. Sassi

    Ganz toll <3 du kannst so wahnsinnig schön schreiben. Ich musste gleich wieder weinen, vor Freude und auch weil du mir so fehlst.
    Das machst du toll!!nach weiter so. Dein weg ist ganz groß!

    Ich liebe dich sascha, von ganzem Herzen.

  2. Oli F

    Du schreibst hervorragend und ich kann Dich nur immer wieder zu Deinem Mut gratulieren für diese Unternehmung. Viel Glück und weiterhin eine gute Reise mit hoffentlich vielen guten Erlebnissen!!!

  3. ANKE

    Mein Kind, du kannst so toll schreiben! Wenn ich bei diesem ersten Bericht deine Begeisterung für Indien spüre, dann weiß ich zum ersten Mal deutlich d a s s d u d a s w i r k l i c h w i l l s t! Ich wünsche dir von ganzen Herzen eine wunderschöne Zeit mit vielen Eindrücken und Abenteuern und eine gute Reise, auch zu dir selbst.

  4. Biene

    Du hast so toll geschrieben,es hat mich so gefesselt,du hast deinen Job verfehlt,du solltest Schriftsteller werden.Ich warte schon sehr,wie deine Reise weiter geht. Bleib schön gesund.viele Knutscha.

  5. Da Tschoff

    So ein schöner, angenehmer Schreibstil. Oft erwähnt und ich kann es nur unterstreichen. Ich such die Weiter-Taste. Bin sehr gespannt. Les ich dann immer wenn ich auf die neue Folge TWD warte 🙂

  6. Gritt Mueller

    Beeindruckend,wie du schreibst.Du hast mich voll abgeholt und auf deine Reise mitgenommen.Ich bewundere deinen Mut und finde es toll,wie du dein Leben lebst und bei anderen Gedanken und Gefühle erweckst über das Leben und die Welt.Wünsch dir alles Glück und all die Liebe der Welt auf deiner Reise und deinem Weg zu dir.Ich drück dich-Kussi deine Cousine Gritti

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